· 

Tag 8 - Shetlandinseln (Fair Isle)

Wikipedia stimmt uns auf die Fair Isle ein:

"Fair Isle ist eine Insel, die zum schottischen Shetland gehört. Sie liegt etwa 90 km südlich von Lerwick (Shetland) – von der Südküste von Mainland bei Sumburgh sind es 37 km – und 95 km nordöstlich von Kirkwall (Orkney) entfernt. Verbindungen mit der Fähre (drei pro Woche) und vom Fair Isle Airport mit dem Flugzeug (vier pro Woche) sind vorhanden, aber stark wetterabhängig.

Die auch als „Insel der Vögel und Pullover“ bezeichnete Fair Isle erstreckt sich etwa 5 km in Nord-Süd- und 2,5 km in Ost-West-Richtung. Sie hat eine Fläche von etwa 8 km² und erreicht im Norden eine Höhe von 217 m über dem Meer.

Abgesehen von zwei Anlegestellen für die Fähren ist die felsige Küste steil abfallend und weist zahlreiche gefährliche Kliffs und Untiefen auf, so dass zur Sicherung der Schifffahrt im Norden und im Süden der Insel Leuchttürme aus Old-Red-Sandstein errichtet wurden.

Fair Isle war mindestens seit der Bronzezeit besiedelt, wovon Reste vorchristlicher Bebauung zeugen. Darunter das eisenzeitliche Landberg, ein Promontory Fort. Fair Isle ist als Station für Zugvögel bedeutsam und verfügt über eine Vogelwarte; seltene sibirische Sperlingsvögel wie Stelzen und Schwirle (darunter Streifenschwirle) können auf der Insel beobachtet werden.

Der National Trust for Scotland erwarb 1954 die Insel vom damaligen Besitzer George Waterston, einem dort lebenden Schreibwarenhändler, Ornithologen und Naturschützer.

2011 lebten auf der Insel 68 Einwohner. Haupterwerbszweige sind die Fischerei, die Landwirtschaft und die Herstellung von Strickpullovern, für die die Insel berühmt ist. 

Gestern Abend gab es im Atrium noch ein nettes Plauderstündchen mit dem Kapitän und dem Hotelmanager. Zwei Führungskräfte, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Herr Kapitän, gut in den sechzigern, schaut auf eine lange und klassische Karriere in der Seefahrt zurück. Alle üblichen Punkte vom Praktikanten über das Studium, die Containerschifffahrt bis hin zum Kapitän hat er durchlaufen. Auf die Frage, welches Ziel ihn noch besonders reizen würde, musste er lange überlegen und kam schließlich mit einem Vorschlag um die Ecke, bei dem wir zunächst gar nicht wussten, wo das sein könnte. Die Franz-Josef-See. Nein, nix mit München oder so. Hoch im Norden muss das sein, eine russische Region, derzeit also ohnehin nicht erreichbar. 

Der Hotelmanager wiederum, wir haben ihn anfangs für einen Holländer gehalten, ist wahrscheinlich so Ende dreißig, Anfang vierzig, und hat zunächst eine Ausbildung an Land im Hotelfach gemacht. Dann ist er aber unverzüglich in der Flusskreuzfahrtbranche gelandet, hat dabei in so ziemlich allen Ecken dieser Welt gearbeitet, und nicht zuletzt auch auf russischen Schiffen die Flüsse bereist, sondern auch noch ein paar Jahre in Amerika gelebt, weil er häufig amerikanische Gäste betreut hat. Auf die Frage, wohin es ihn zieht, antwortete er lächend: „Nach Hause.“ Er ist Thüringer, sieh an und würde sich freuen, mal wieder eine Weile in der alten Heimat zu sein. Na bitte, alles nur Menschen.

Pünktlich heute früh um fünf Uhr rasselte die Ankerkette und wir fuhren den kurzen Weg von der letzten zur nächsten Insel in drei Stunden. Als wir munter wurden und uns zum Frühstück rüsteten, wurde versuchsweise ein Zodiak zu Wasser gelassen, um eine Anlandung an der wunderschönen Fair Isle zu wagen. Allerdings war der Wellengang, auch Schwell genannt, so stark, dass wir so unsere Zweifel hatten. Leider nicht unbegründet. Nach ca. einer Dreiviertelstunde, wir saßen inzwischen fertig im Gummizeug verpackt, auf unserer Kabine und harrten der Dinge, kam dann auch die entsprechende Durchsage. Anlandungsversuch abgebrochen, da zuviel Wasser ins offene Sidegate eingedrungen war, und außerdem war ein halbwegs sicheres Übersteigen der Gäste in die Zodiaks nicht machbar. Wie schade! Wir hatten uns so sehr gefreut. Wir waren richtig niedergeschlagen und wussten gar nicht, wohin mit uns. Also krabbelten wir hinauf aufs Oberdeck und betrachteten die Insel und die deutlich sichtbaren Papageientaucher sehnsüchtig aus der Ferne. 

Der Kapitän steuerte das Schiff derweil in südlicher Richtung an der Insel entlang und einer der Experten erklärte ein weinig etwas zu den Felsformationen. Das war kein Trost. 

Doch plötzlich, siehe da, „bog“ das Schiff hinter dem nächsten Riff in eine windgeschützte Bucht ein. Hoffnung! In aller Eile wurde erneut ein Zodiak zu Wasser gelassen, zweiter Versuch, nur die Landestelle würde eben eine andere sein.

Wunderbar! Ganz wunderbar! Schon nach wenigen Minuten kam die Meldung, dass es hier passen würden. Also dann los! Wir konnten unser Glück kaum fassen und stürzten quasi hinunter auf Deck 3, um auch ja das erste Boot zu erwischen. Großartig.

Um die Sache hier ein wenig abzukürzen, wir lagen gute zwei Stunden auf einem sonnigen Felsen im weichen Gras und die Puffins marschierten vor uns auf und ab, auch mal zwischen uns hindurch, betrachteten uns genauso neugierig wie wir sie. Sind das goldige Gesellen. So knuffig. Aber die Fotos sprechen ja für sich.

 

Die Redaktion dankt für diesen Gastbeitrag. Vieles ist schon gesagt. Für mich wirklich beeindruckend ist das Engagement hier an Bord, besonders heute. Es bleibt nichts unversucht, uns den Landgang zu ermöglichen. Dabei arbeiten Nautiker und die Leute, die für die Zodiaks und die Landgänge verantwortlich sind, eng zusammen und nur so konnte eine sehr gute Lösung gefunden werden und das auch noch innerhalb kürzester Zeit. Natürlich funktioniert das alles nur mit dem relativ kleinen Schiff, was extrem manövrierfähig ist und die Zodiaks erlauben Landgang fast an jeder Stelle. Es hätte sogar noch einen Plan C gegeben, wo wir am anderen Ende der Insel angelegt hätten. Dann muss jemand organisieren, dass die Shuttle auf der Insel (das sind zwei normale PKW und der einzige Siebensitzer der Insel) sich schnell darauf einstellen. Man darf nicht vergessen, dass nur ca. 60 Menschen auf der Insel leben.

Aber dank dieser tollen Crew kommen wir doch noch in den Genuss, an Land gehen zu können und die Puffins zu beobachten. Die Kolonie ist in fünf Minuten von der Landestelle zu erreichen. Beim Abstieg vom Zodiak habe ich gewissermaßen Wassereinbruch über vorderes Torpedorohr, weil ich nicht die vom Schiff angebotenen Gummistiefel nutze, sondern meine eigenen Treter, die aber einen fünf Zentimeter zu niedrigen Schaft haben. Aber sowas muss  man für gute Fotos in Kauf nehmen. Dabei haben die angebotenen Gummistiefel eben hier auch 5 Sterne.

Auf dem Vogelfelsen schwelge ich für meinen Teil in absoluter Glückseeligkeit. Und dann passiert es: ungefähr 50 Leute sitzen auf der Wiese und beobachten oder fotografieren die Puffins in etwa 15 Metern Entfernung. Nun kommt ein ganz besonders großes Arschloch und läuft genau dazwischen durch. Was mit den Puffins passiert, kann sich jeder denken. Und heute bin ich mal direkt und sage dem Volltrottel in aller Deutlichkeit, das er ein Volltrottel ist. Aber Volltrotteln ist das egal, da kann man nichts machen. Im Nachhinein bekomme ich von einigen anderen Gästen aber Zuspruch.

Trotzdem mache ich eine komplette Speicherkarte voll, es gibt so viele schöne Motive. Auf dem Rückweg fährt uns der Zodiakfahrer noch dicht an die gewaltigen Felsen heran, wo wir einige Seehunde und Kegelrobben sehen, zum Schluss fahren wir noch in eine enge Felsschlucht hinein. Sehr schönes Rahmenprogramm, sie hätten ja auch direkt zum Schiff zurück fahren können.

Nach einem leckeren Mittagessen ruhen wir ausgiebig, um uns dann Kaffee und Kuchen hinzugeben. Nach nochmaligem Ruhen gibt der Kapitän noch einen Abschiedsempfang. Dabei stellt sich heraus, dass die Kreuzfahrtdirektorin sehr gut singen und einer der Matrosen mindestens genau so gut Saxophon spielen kann. Außerdem hat einer der Kellner die Seekarte sehr gut illustriert mit Motiven der Reise. Diese wird verlost, der Erlös aus dem Verkauf der Lose kommt je zur Hälfte der Ukraine und der Crew zugute.

Das Abendessen ist heute besonders lecker und entsprechend bekommen unsere Köche ein großes Lob. Dazu noch als Ergänzung: Dorit hatte vor einigen Tagen ausgespeichert, dass sie sehr gern Milchreis isst. Und so wurde heute extra für Frau Kostall eine amtliche Portion Milchreis gekocht und der war auch extrem lecker. Das ist einfach schön und man fühlt sich als Gast wirklich sehr wohl. Mit mächtig gespannten Ranzen schleppen wir uns nach dem Essen in die Observation Loung für einen Absacker.

Man möge es mir nachsehen, dass es heute nur Fotos von den Puffins gibt, es ist nun mal meine Leidenschaft.

Da ja nun die Bewerbungen für unsere Abholung in Dresden vom Bahnhof eintrudeln: vielen Dank für dafür, aber den Zuschlag hatte unser lieber Svern schon bekommen :-)

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Die Hatschis (Dienstag, 31 Mai 2022 19:46)

    Sehr schöne Fotos von den putzigen Kerlchen. Glatt zum verlieben, die kleinen Kerle. Schön das euer Landgang geklappt hat. Leider vermisst mein Süßer ein Pony in der Fotogalerie. Gab es keine zu sehen, sind die soo klein. Spaß beiseite, Danke für die Urlaubskarte und euch eine schöne Heimreise .

  • #2

    Ute und Klaus (Dienstag, 31 Mai 2022 22:02)

    Ups...das sind ja Fotos...und dann euer Bericht dazu...Spitzenklasse...dann wünschen wir euch gute Heimreise mit bestimmt Tränen im Knopfloch und in deiner Fotoausrüstung. Bis bald einmal wieder...vielleicht zu einer Urlaubsnachlese bei nur einem � und ner kleinen Bratwurst...liebe Grüße

  • #3

    Franz (Dienstag, 31 Mai 2022 23:38)

    Es kann nicht genügend Fotos von Puffins geben. (-;

  • #4

    Susie (Mittwoch, 01 Juni 2022 21:23)

    Bild sieben ist mein Favorit!