Tag 2 - Seetag

 

Gestern Abend sah man uns im Anckelmanns speisen. Auf den alten Schiffen gab es ja im Heckbereich immer das Gosch, wo man a la carte essen oder sich am Buffet bedienen konnte. Ab der Mein Schiff 6 verschwand das Gosch und wurde durch den Fischmarkt ersetzt, wo es aber kein Buffet mehr gab. Das gab wohl aber viele Beschwerden, denn es wurde im Nachhinein in den Fischmarkt doch wieder ein kleiner Teil Buffet eingebaut. Zum Glück, denn so konnten wir uns dort nach Herzenslust die Teller füllen. Hervorzuheben sind die gebratenen Garnelen, der Kartoffelsalat und der Backfisch. Nicht zu vergessen die wunderbare Möglichkeit, sich bei Bedarf ein leckeres Pils zu zapfen. Die Hähne funktionieren auch alle ganz hervorragend.

Gut gesättigt verziehen wir uns nach dem Essen in Richtung Tui-Bar, wo heute erstaunlich wenig los ist. Es kommt ein älterer Herr an die Bar und fragt, wo hier das große Ding sei, wo es jeden Tag was anderes zu essen gibt. Trotz der etwas diffusen Fragestellung wird dem Mann natürlich geholfen. Und so machen wir es uns hier gemütlich, plaudern mit ein paar Leuten und ganz am Rande haben wir ausnahmsweise einen deutschen Barkeeper, der sich rührend um uns kümmert. Er hat seinen Job an Land als Chef einer großen Bar in einem 5-Sterne-Hotel vorübergehend an den Nagel gehängt, um für knapp sechs Monate Erfahrungen an Bord eines Kreuzfahrtschiffes zu sammeln. Man kann die faulen jungen Leute also doch nicht alle über einen Kamm scheren ;-)  Mit der nötigen Bettschwere kehren wir auf die Kabine zurück, wo wir gut schlafen.

 

Nachdem wir gut ausgeschlafen haben, frühstücken wir im Anckelmannsplatz. Hier treten jetzt einige Unterschiede zur Relax hervor. Es gibt hier nur in der Mitte ein recht großes Buffet, aber eben nur das eine. Daher gibt es ziemlichen Andrang und man hat weite Wege bis zum Tisch, wenn man so wie wir, draußen im Freibereich isst. Das war auf der Relax besser gelöst, weil es mehrere Buffets gab, zwar mit gleichem Inhalt, aber dadurch entzerrte sich der Strom der Gäste deutlich. Was aber mir am meisten fehlt, sind die großen Behälter mit frischem Filterkaffee. Das war für Leute, die keinen Kaffee-technischen Sonderwunsch hatten, einfach und unkompliziert. Tasse drunter, Hahn auf, fertig. Nun gibt es nur noch Vollautomaten, wo eine einfache Tasse Kaffee viermal so lange dauert und  vor allem sind alle Nase lang entweder die Kaffeebohnen alle oder der Behälter mit dem Abfall voll. Der Aufwand fürs Personal ist jedenfalls deutlich höher und die Warteschlange vor dem Automaten ist deutlich länger. Aber wir haben ja Zeit, denn wir haben Urlaub und wie gewohnt, genießen wir bei schönem Wetter unsere Mahlzeiten im Außenbereich des Anckelmanns. Das fehlte uns sehr auf der Relax.

Den Vormittag verbringen wir mit faulenzen, lesen, malen oder Fotos machen. Klassisches Seetag-Programm eben. Mittags in bewährter Weise ein kleiner Snack am Buffet, weiter ausruhen, Kaffee trinken und in der Sonne liegen. Wir haben schönes Wetter, die Sonne scheint und so lasse ich meinen Körper ein wenig Vitamin D bilden und genieße die frische Seeluft. Der Wind pustet ganz ordentlich, dennoch haben wir keinen nennenswerten Seegang.

Vor dem Abendessen steht noch unser erster Termin im Spa an, eine schöne Aromaöl-Ganzkörpermassage für uns beide. Hier wird der gewohnt hohe Standard bei TUI ein weiteres Mal bestätigt, es ist eine große Wohltat.

Zum Schiff gibt es nicht all zu viel zu sagen: es ist eben nach dem alten, bewährten Konzept aufgebaut und so finden wir uns auf Anhieb überall zurecht und dadurch eben auch gleich zu Hause. Alles ist an seinem gewohnten Platz. Als ich noch Mitglied des Gesamtbetriebsrates von T-Mobile war, kam ich einmal in den Genuss eines Vortrages eines Psychologen, der absolut schlüssig erklären konnte, dass es tief im Menschen verwurzelt und evolutionär begründbar ist, sich gegen Veränderungen zu sträuben und eben das bekannte Gewohnheitstier zu sein. Das finde ich hier bestätigt. Könnte aber auch sein, dass ich einfach nur alt und wunderlich bin, das mögen andere entscheiden.

Das Angebot am Buffet ist durchaus reichhaltig und schmackhaft, kann aber absolut nicht mit dem auf der Relax mithalten. Wahrscheinlich liegt das daran, dass während unserer Vorfreudefahrt mit der Relax sehr viele Reisebüros mit an Bord waren und da wohl ein gewisser Promotion-Faktor eine Rolle gespielt haben könnte. Nichtsdestotrotz finden wir genügend leckere Sachen für uns, es ist ja von allem genug da.

Ordentlich gesättigt treten wir den Weg zu unserem Reisemittelpunkt an, nämlich zur Tui-Bar, wo wir bestens umsorgt werden. Heute ist hier viel mehr los und irgendwie gelingt es der Personaldisposition, schlagartig mehr Leute hinter die Bar zu bringen, die den Ansturm zügig bewältigen. Auch wenn ich mich wiederhole: das ist für mich, der in der eigenen Firma sieht, wie so etwas regelmäßig schief geht, einfach faszinierend. Und bei alledem haben die Leute, die dort hinter dem Tresen einen harten Job machen, unglaublich Spaß an ihrer Arbeit. Was sie dann und wann über die deutsche Kreuzfahrer denken, will man eigentlich nicht wissen und kann es sich dennoch ungefähr vorstellen. Nach wie vor ist ein „Bitte“ oder „Danke“ die große Ausnahme.

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Kommentare: 1
  • #1

    Die Hatschis (Samstag, 09 August 2025 18:10)

    Vielen Dank für den gewohnt unterhaltsamen Bericht. Euch geht es ja offensichtlich sehr gut. Auch Olaf sein Blutdruck ist im grünen Bereich. Es gibt ja wenig zu mäkeln. Prima. Weiter so. Gruß Mario